Medienpädagogik

Ein "Medium" ist in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes etwas, das in der Mitte steht - es ist Träger von Bedeutung und Information zwischen Menschen. Im engsten Sinne ist der menschliche Körper selbst ein Medium - Körpersprache transportiert oft mehr Informationen als das gesprochene Wort. Leitmedium von Kindern und Jugendlichen ist mittlerweile das Internet, das mehr und mehr auch über Mobiltelefone zugänglich ist - NutzerInnen sind so rund um die Uhr online. Sein Spezifikum sind besondere Kommunikationsformen, wie soziale Online-Netzwerke und Multiplayer-Spiele, die vor den Zeiten des Internet nicht existiert haben. Als universelles Trägermedium kann es auch die meisten "alten" Medieninhalte transportieren:  gesprochene Sprache, Text, Musik, Bilder und Filme. Nur das körperlich begreifbare steht über Internet (noch?) nicht zur Verfügung.

Der Wiener Bildungsserver fördert Medienerziehung mit Hilfe des Internet in Schule und außerschulischer Jugendarbeit. Anschließend an das oben Gesagte halten wir uns dabei an drei Grundsätze:

  1. Wir beachten in unserer Arbeit die besonderen Eigenschaften des interaktiven Mediums Internet.
  2. Wir nutzen "klassische" Medieninhalte, wobei das Internet als Trägermedium dient.
  3. Wir berücksichtigen, dass "klassische" Medien bei der Übertragung durch das Internet anders rezipiert werden als in ihrer ursprünglichen Form.

Grundsatzerlass Medienerziehung

Seit 2001 gilt in Österreichs Schulen der "Grundsatzerlass Medienerziehung", der im Frühjahr 2012 überarbeitet und unter anderem um einen Abschnitt zu sozialen Online-Netzwerken erweitert wurde. Dieser Erlass trägt der Bedeutung von Medien in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen Rechnung. "Medienerziehung", so heißt es im ersten Satz des Erlasses, "zielt auf eine umfassende Medienbildung ab." Analoge wie digitale Medien sollen in allen Unterrichtsgegenständen in möglichst vielfältiger Weise eingesetzt werden, um Kinder und Jugendliche zu einer kritisch hinterfragenden Mediennutzung zu führen und ihnen zu ermöglichen, Medien in kreativer und nutzbringender Weise in ihren Alltag zu integrieren. Eine umfassende Medienbildung dient nicht nur dazu, sich in einer von Medieninhalten geprägten Umwelt besser zurecht zu finden, sondern trägt auch zur "Immunisierung" gegen mögliche negative Einflüsse von Medieninhalten bei.

Zitate aus dem Grundsatzerlass Medienerziehung:

Zitate aus dem Grundsatzerlass Medienerziehung:

  • Im Sinne medienpolitischer Bildung ist Medienerziehung die Auseinandersetzung nicht nur mit Ursachen, Wirkungen und Formen medialer Kommunikation, sondern auch mit den verschiedenen Interessen, die die Auswahl und den Inhalt von Informationen und die Form der Vermittlung bestimmen.
  • Medienerziehung ist eine Form pädagogischen Umgangs mit Medien, der zur kritisch-reflexiven Nutzung aller Medien heranführen soll. Wo Medien als Mittel der Information, Unterhaltung, Bildung und Alltagsorganisation für die Sozialisation des Menschen Bedeutung erlangen, werden sie zum Gegenstand der Medienerziehung - die Medien sind Gegenstand und Thema des Unterrichts (Erziehung über Medien).
  • Medienkompetenz als Zielhorizont medienpädagogischer Bemühungen umfasst neben der Fertigkeit, mit den technischen Gegebenheiten entsprechend umgehen zu können, vor allem Fähigkeiten, wie Selektionsfähigkeit, Differenzierungsfähigkeit, Strukturierungsfähigkeit und Erkennen eigener Bedürfnisse u.a.m.
  • Medienerziehung soll die Schüler/innen durch Vermittlung kritischer Einsicht in die Kommunikationsphänomene zu einem in ihrem jeweiligen Lebensbereich möglichen bewussten und mitbestimmenden Medienhandeln führen.
  • Medienerziehung soll das Bewusstsein für die vielfach einseitige und klischeehafte Darstellung von sozialen und geschlechtsspezifischen Rollen durch die Medien wecken.
  • Im Sinne von Handlungs- und Erfahrungslernen sollen die Schüler/innen im Rahmen der Medienerziehung zur Herstellung von eigenen Medienprodukten ermutigt werden. Medienmachen allein ist jedoch - so verdienstvoll es auch für eine Reihe von Lernzielen sein mag - noch keine Medienerziehung. Erst wenn die praktische Tätigkeit mit einer kritischen Reflexion über den Herstellungsprozess gekoppelt wird, kann von einer medienpädagogischen Arbeit gesprochen werden.
  • Schlüsselfragen: Wer teilt wem was mit, in welcher Absicht?

Studien

Der Wiener Bildungsserver verfolgt die laufenden Forschungen und Diskussionen im Bereich der Medienpädagogik und Mediennutzung und bereitet die Erkenntnisse auf. Einige der nützlichsten aktuellen Texte finden Sie hier.

Texte und Studien

Texte und Studien

Studien der Education Group
Die "edugroup" (früher bimez bzw. eduhi) des Landes Oberösterreich erstellt in regelmäßigen Abständen Studien zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen. 2011 ist die zweite oberösterreichische Kinder-Medien-Studie erschienen, 2012 die dritte Jugend-Medien-Studie. Die Daten können zur Orientierung für ganz Österreich dienen.
http://www.edugroup.at/education-group/detail/medien-studien-der-education-group.html


Studien des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest
Die Stuttgarter Forschungseinrichtung mpfs führt seit über einem Jahrzehnt regelmäßig zwei große Untersuchungen zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen durch, die KIM-Studie und die JIM-Studie. 2012 erstmals erschienen ist die FIM-Studie (Familie, Interaktion & Medien), die sich mit Mediennutzung und Kommunikation im Familienverband beschäftigt.

JIM-Studie 2011
http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf11/JIM2011.pdf

KIM-Studie 2010
http://www.mpfs.de/fileadmin/KIM-pdf10/KIM2010.pdf

FIM-Studie
http://www.mpfs.de/fileadmin/FIM/FIM2011.pdf


Saferinternet-Studie: Chancen und Gefahren von Online Communities
Studie über die Nutzung von Online Communities durch Kinder und Jugendliche in Österreich; durchgeführt vom Institut für Jugendkulturforschung im Auftrag von Saferinternet.at.

Quantitative Ergebnisse:
http://www.saferinternet.at/fileadmin/files/Online_Communities_Studie/Ergebnisse_Safer_Internet_Quantitativ_Ultimativ.pdf

Qualitative Ergebnisse:
http://www.saferinternet.at/fileadmin/files/Online_Communities_Studie/Bericht_Safer_Internet_qualitativ_Online_Version.pdf


EU Kids Online Report II
EU Kids Online ist eine europaweite Vergleichsstudie über die Nutzung von Internet und Neuen Medien durch Kinder und Jugendliche.
http://www2.lse.ac.uk/media@lse/research/EUKidsOnline/EU%20Kids%20II%20(2009-11)/EUKidsOnlineIIReports/Final%20report.pdf


Medienkonvergenz-Monitoring
An der Universität Leipzig wurden unter dem Titel „Medienkonvergenz-Monitoring“ mehrere Studien zur vernetzten Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen erstellt.
http://www.uni-leipzig.de/mepaed/medienkonvergenz-monitoring/publikationen/


Forschungsprojekt Jugend – Medien – Gewalt
Das Forschungsprojekt im Auftrag des bmukk wurde 2010 am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien durchgeführt.
http://www.bmukk.gv.at/schulen/sb/jugendmediengewalt.xml


Wo der Spaß aufhört … - Jugendliche und ihre Perspektive auf Konflikte in Sozialen Netzwerkdiensten
Die Studie wurde 2012 vom JFF – Institut für Medienpädagogik im Auftrag der Bayrischen Landeszentrale für Neue Medien erstellt.
http://www.jff.de/dateien/JFF-Bericht_Online-Konflikte.pdf


Kompetenzen und exzessive Nutzung bei Computerspielern: Gefordert, gefördert, gefährdet
Der auf der gleichnamigen Studie basierende Forschungsband ist im Rahmen der Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen erschienen und steht, wie alle Bände der Reihe, zum Download zur Verfügung.
http://www.lfm-nrw.de/forschung/schriftenreihe-medienforschung/band-66-68.html

 

 
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